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Schon wieder Schnupfen? Wie viele Infekte bei Kindern sind eigentlich normal?

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Infekte bei Kindern.

Kaum ist der Schnupfen vorbei, beginnt der nächste Husten. Dazwischen vielleicht noch ein Tag mit Fieber – und spätestens beim dritten Infekt innerhalb weniger Wochen fragst Du Dich: Ist mein Kind wirklich ständig krank oder ist das noch normal?

Die beruhigende Antwort lautet in vielen Fällen: Gerade bei kleinen Kindern gehören häufige Infekte tatsächlich zum Großwerden dazu. Das Immunsystem befindet sich noch mitten in seiner Entwicklung und trifft laufend auf Viren, die es noch nicht kennt. Besonders turbulent wird es häufig mit dem Start in Krabbelstube oder Kindergarten – oder wenn ein älteres Geschwisterkind regelmäßig neue Erreger mit nach Hause bringt.

 

Wie viele Infekte sind bei Kindern normal?

Beginnen wir mit der Zahl, die viele Eltern überrascht: Bis zum Schulalter können etwa acht bis zwölf Atemwegsinfekte pro Jahr durchaus normal sein.

Das bedeutet im Durchschnitt beinahe einen Infekt pro Monat. Und weil ein Husten nach einem viralen Infekt durchaus länger anhalten kann, entsteht schnell der Eindruck, das Kind sei eigentlich den ganzen Winter über krank.

Besonders nach dem Eintritt in eine Betreuungseinrichtung häufen sich Atemwegsinfekte. Untersuchungen zeigen, dass die Zahl der Tage mit Erkältungssymptomen nach Beginn einer Betreuung zunächst deutlich ansteigen kann. Im weiteren Verlauf nimmt diese Belastung jedoch wieder ab.

Ein Kindergartenkind mit mehreren unkomplizierten Erkältungen im Herbst und Winter hat daher nicht automatisch ein „schlechtes Immunsystem“.

Warum kleine Kinder so häufig krank werden


Für Erwachsene ist ein gewöhnliches Erkältungsvirus häufig ein alter Bekannter. Unser Immunsystem ist im Laufe des Lebens bereits mit sehr vielen unterschiedlichen Erregern in Kontakt gekommen.

Bei einem Kleinkind sieht das anders aus.

Es gibt zahlreiche verschiedene Viren, die Atemwegsinfekte auslösen können. Das kindliche Immunsystem muss viele davon erst kennenlernen und eine passende Immunantwort entwickeln. Gleichzeitig sind Kindergarten und Krabbelstube ideale Orte für deren Weitergabe: Kinder spielen eng miteinander, greifen dieselben Gegenstände an, husten, niesen und stecken beim Spielen gerne einmal die Finger in den Mund.

 

Das erklärt auch, warum gerade die ersten Monate nach dem Start in einer Betreuungseinrichtung anstrengend sein können. Kinder in Gruppenbetreuung haben insbesondere in den ersten Jahren mehr Atemwegsinfekte als Kinder, die zu Hause betreut werden. Mit zunehmender Dauer der Betreuung wird dieser Unterschied geringer.

Was das Immunsystem dabei lernt

Das Immunsystem eines Kindes ist nicht „schwach“. Es ist vielmehr unerfahren.

Trifft es auf einen neuen Krankheitserreger, aktiviert der Körper seine Abwehrmechanismen. Teile des erworbenen Immunsystems können anschließend ein immunologisches Gedächtnis ausbilden. Bei einem erneuten Kontakt mit genau diesem Erreger beziehungsweise seinen charakteristischen Strukturen kann die Abwehr schneller reagieren.

Deshalb beobachten Eltern häufig ein typisches Muster: In den ersten Kindergartenjahren folgt gefühlt ein Infekt auf den nächsten, später wird es meist ruhiger.

Man kann also durchaus sagen: Das Immunsystem sammelt in den ersten Lebensjahren Erfahrungen. 

Warum ältere Geschwister eine Rolle spielen

Beim zweiten oder dritten Kind ändert sich die Situation oft. Das Baby hat nämlich schon Schnupfen, obwohl es noch nicht einmal in die Krabbelstube geht.

Der mögliche Übertragungsweg sitzt vielleicht gerade beim Abendessen daneben.

Ältere Geschwister bringen aus Kindergarten und Schule regelmäßig Krankheitserreger mit nach Hause. Untersuchungen zeigen tatsächlich, dass Säuglinge mit Geschwistern häufiger Atemwegsinfektionen bekommen können. Besonders deutlich kann der Effekt sein, wenn das ältere Geschwisterkind selbst eine Betreuungseinrichtung besucht. Das jüngere Kind bekommt dadurch bereits früher Kontakt zu verschiedenen Erregern. 

Raus mit den Kindern – auch in der kühleren Jahreszeit

„Bei dem Wetter kannst Du doch mit dem Kind nicht hinaus!“ Doch – in den meisten Fällen schon.

Eine Erkältung entsteht schließlich nicht dadurch, dass ein Kind bei fünf Grad draußen spielt. Für einen Atemwegsinfekt braucht es einen entsprechenden Erreger. Kalte und trockene Luft kann die Atemwege allerdings belasten; starke Abkühlung ist deshalb nicht das Ziel. 

Trotzdem gehört regelmäßiges Spielen und Bewegen im Freien zu einem gesunden Kinderalltag. Draußen sind Kinder in Bewegung, bekommen Tageslicht und sitzen nicht ständig dicht gedrängt mit anderen Menschen in geschlossenen Räumen.

Also: passend anziehen und hinaus auf den Spielplatz, in den Garten oder eine Runde durch den Wald.

Gerade bei uns in Österreich gibt es dafür glücklicherweise zu jeder Jahreszeit genügend Möglichkeiten.

Schleimhäute: unsere erste Verteidigungslinie

Wenn wir über Atemwegsinfekte sprechen, lohnt sich ein Blick auf Nase, Mund und Rachen. Die Schleimhäute der Atemwege bilden eine wichtige erste Barriere gegenüber der Außenwelt.

Dort sorgen unter anderem Schleim und Flimmerhärchen dafür, eingeatmete Partikel und Mikroorganismen wieder nach außen zu transportieren.

Deshalb ist es sinnvoll, auf ein angenehmes Raumklima zu achten und regelmäßig zu lüften. Vor allem stark trockene Raumluft kann sich für Nase und Rachen unangenehm anfühlen. Auch ausreichendes Trinken gehört zu den einfachen Dingen, die im Familienalltag nicht vergessen werden sollten.

Und noch etwas ist erstaunlich wirkungsvoll: Hände waschen. Gerade wenn mehrere Kinder im Haushalt leben, ist eine vernünftige Handhygiene eine einfache Möglichkeit, die Weitergabe vieler Erreger zu reduzieren.

Was Eltern im Alltag tun können

Eltern müssen das Immunsystem ihres Kindes nicht mit komplizierten Tricks „abhärten“. Viel wichtiger sind die Grundlagen: eine abwechslungsreiche Ernährung, ausreichend Schlaf, tägliche Bewegung und Zeit im Freien sowie ein rauchfreies Umfeld.

Auch die Versorgung mit wichtigen Mikronährstoffen gehört dazu. Vitamin C, Vitamin D und Zink tragen beispielsweise zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei. Nahrungsergänzungsmittel ersetzen dabei keine ausgewogene Ernährung und machen ein Kind auch nicht „infektfrei“. Bei Kindern sollte die Auswahl und Dosierung immer altersgerecht erfolgen.

Gerade bei Vitamin D lohnt sich eine individuelle Beratung, denn der Körper kann Vitamin D zwar unter Einfluss von UVB-Strahlung selbst bilden, in unseren Breitengraden ist diese körpereigene Bildung aber stark von Jahreszeit und Sonnenexposition abhängig.

Wann häufige Infekte abgeklärt werden sollten

Die reine Anzahl der Erkältungen ist nicht das einzige Kriterium. Viel wichtiger ist, wie ein Kind krank ist und wie es ihm zwischen den Erkrankungen geht.

Wenn dein Kind nach einem gewöhnlichen Infekt wieder munter herumläuft, normal wächst und sich altersgerecht entwickelt, sind häufige unkomplizierte Erkältungen gerade in den ersten Lebensjahren meistens kein ungewöhnliches Bild.

Ärztlich abgeklärt werden sollten dagegen beispielsweise ungewöhnlich schwere oder komplizierte Infektionen, auffällige Atemprobleme, ein deutlich beeinträchtigter Allgemeinzustand oder andere ungewöhnliche Krankheitsverläufe. 

Fazit: Der nächste Schnupfen ist nicht automatisch ein schlechtes Zeichen

Acht bis zwölf Atemwegsinfekte im Jahr können bei kleinen Kindern noch im normalen Bereich liegen – insbesondere in den ersten Kindergartenjahren. Und mit einem älteren Geschwisterkind im Haus beginnt die intensive Bekanntschaft mit Erkältungsviren manchmal sogar noch früher.

Das Immunsystem befindet sich in diesen Jahren in einer wichtigen Entwicklungsphase und sammelt ständig neue Erfahrungen. Mit zunehmendem Alter nimmt die Häufigkeit vieler gewöhnlicher Infekte meist wieder ab.

Was du deinem Kind mitgeben kannst, ist erstaunlich unspektakulär: viel Bewegung und Zeit draußen, ausreichend Schlaf, eine abwechslungsreiche Ernährung, vernünftige Hygiene und Gelassenheit bei unkomplizierten Infekten.